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Archiv für die Kategorie ‘Fototechnik’

50 Gigs, 10 Tage, 2 Fotografen: Wie schafft man das?

Vorbemerkung

Die „Kieler Woche“ 2010 sah das Team von rockpixx.com wieder im Einsatz. Um die ausgesuchten Acts ablichten und tagesaktuell auf unsere Seite bringen zu können, war sowohl im Vorfeld als auch täglich auf der „Kieler Woche“ eine etwas ausführlichere Planung notwendig. Einige unserer Arbeitsabläufe und manche der zum Einsatz gekommenen Technik soll für interessierte Leser hier im Folgenden kurz beschrieben werden.

Im Vorfeld

Das Wichtigste muss natürlich im Vorfeld schon erledigt sein: Das Beschaffen der Akkreditierungen. Dazu muss bekannt sein, welche Bühnen dieses Jahr vorhanden sind, damit die dortigen Ansprechpartner angeschrieben werden können. Auch wenn sich in den letzten Jahren schon ein fester Stamm von Ansprechpartnern herausgebildet hat, so gibt es doch immer wieder Überraschungen. In diesem Jahr haben wir beispielsweise erst nach einiger Korrespondenz herausgefunden, dass für das „Kieler Woche Musikzelt“ erstmalig keine eigene Akkreditierung notwendig ist, sondern der offizielle Ausweis der Stadt Kiel ausreicht.

Parallel dazu werden natürlich schon die Tourdaten der „üblichen Verdächtigen“ regelmäßig beobachtet, Pressemitteilungen ausgewertet und jeden Tag ein wenig mehr auf das vorläufige offizielle Bühnenprogramm aus dem „Kieler Woche“-Informationsbüro gewartet. Dieses trudelte in den ersten Maitagen auch hier ein und ergab die nächste Überraschung: Die „Schankwerk-Bühne“ hatte die Segel gestrichen!

Nun konnten also die Tagespläne der für uns interessanten Acts in einer Excel-Tabelle erstellt werden, so dass wir für jeden Tag alle Bühnen von 17:00 – 3:00 Uhr auf jeweils einem Blatt in der Übersicht hatten. Diese Listen mussten bis unmittelbar vor dem Start der „Kieler Woche“ noch mehrere Male aktualisiert werden, da sich die individuellen Bühnenprogramme noch häufig änderten. Hier half nur das permanente Beobachten der entsprechenden Bühnenwebsites.
Auch noch „nebenbei“ (neben unserem eigentlichen Tagesgeschäft also) laufen noch solche Dinge ab wie: Aufstellen und Ergänzen der Packlisten, Beschaffung aller erforderlichen Technik, Kleidung und weiterer Werbeartikel, welche vor Ort gebraucht werden. Da wir in diesem Jahr zum ersten Mal Medienpartner der „MAXBühne“ am Hauptbahnhof waren, kam hier also im Vorfeld noch ein wenig mehr Arbeit auf uns zu, als wenn wir nur als ganz normale Fotografen unterwegs sein würden. Eine Beschreibung dieser Dinge würde hier aber zu weit führen…

Angekommen im Norden

Am Freitag, 19.06.2010 ging es inoffiziell mit dem „Soundcheck“ aller großen Bühnen los. Die offizielle Eröffnung der „Kieler Woche“ findet ja traditionell mit Politprominenz und dem „Holstenbummel“ immer erst am Sonnabend ab 19:30 statt. Das hieß für uns also, in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni die A7 von einem zum anderen Ende abzureiten, damit wir vor Ort dann noch genügend Zeit für vorbereitende Arbeiten hatten. Zu diesen Dingen gehörten – neben vielen anderen Aufgaben – zwei ganz wichtige Sachen:

1. Einsammeln der Akkreditierungen an den verschiedenen Ausgabestellen zu den vorgesehenen Zeiten und

2. Aufbau und Inbetriebnahme unserer Technik im gemieteten Ferienhaus im Kieler Umland.

Punkt 1 ist sollte eigentlich relativ einfach abzuhandeln sein, ergab vor Ort aber dennoch immer wieder spannende Momente, die uns unseren Tagesplan gehörig durcheinanderwürfelten: So waren beispielsweise unsere Fotopässe vom NDR zum vorgesehenen Zeitpunkt der Abholung noch irgendwo zwischen Hannover und Kiel unterwegs. Wir verschoben diesen Termin von daher auf den nächsten Tag – irgendwelche Zeitreserven würden sich dort schon noch finden lassen.

Punkt 2 war relativ einfach gelöst. Wir bauten die folgenden Dinge auf: Einen ACER Homeserver, einen Desktoprechner mit zwei Schirmen und dem Adobe CS4-Zeugs drauf (CS5 und Lightroom 3 waren zu diesem Zeitpunkt zwar schon bestellt und eigentlich auch schon da, sollten aber nicht zum Einsatz kommen), ein Notebook für die Fotografin und zwei ASUS Netbooks für den mobilen Einsatz als „Imagetank deLuxe“. Auf den Netbooks waren installiert: „Total Commander“ als Dateimanager, die Freeware „Microsoft ProPhoto Tools“ zum Verschlagworten der zu machenden Bilder (kann XMP-Dateien für RAWs schreiben), IrfanView als externer Viewer. Systemseitig wurde das mitgelieferte Windows 7 noch mit dem „Canon RAW Codec“ aufgehübscht, damit die gemachten RAWs auch entsprechend betrachtet werden konnten. Zusätzlich gab’s auf den Netbooks noch eine freie Version von „SoftMaker Office“, damit unterwegs eine brauchbare Textverarbeitung für das Verfassen der Reviews zur Verfügung stand – ein wenig Luxus sollte schon sein. Alle Rechner waren im Ferienhaus miteinander vernetzt und hingen an einer Internetanbindung, die diesen Namen nicht wirklich verdiente.

Und dann konnte es unseretwegen losgehen: Die Ausrüstung für beide Fotografen (je zwei bzw. drei DSLRs jede mit nur einem Objektiv, je ein Netbook plus Cardreader, Reserveakkus und die Ohrstöpsel) war in zwei Wanderrucksäcken verstaut, die Tasche mit den Ersatzklamotten (falls wir unterwegs völlig durchnässt werden würden) war ebenfalls gepackt und unser Werbebanner hing mittlerweile auch schon an der „MAXBühne“.

Vielleicht noch eine Anmerkung zum Thema „Wanderrucksack“. Wir haben uns bewusst für solche Teile entschieden und nicht für Fotorucksäcke oder –taschen: Erstens wecken diese Teile keine Begehrlichkeiten, da jede Menge Volk ebenfalls mit solchen Rucksäcken unterwegs ist, um praktischerweise die mitgeführten alkoholischen Getränke irgendwo verstauen zu können. Und zweitens brauchen wir für den Rest des Jahres solche (teuren) Spezialteile nicht, normale Wanderrucksäcke lassen sich aber immer und vielseitiger verwenden. Polstert man die Rucksäcke mit zwei normal großen Frotteehandtüchern aus, dann lassen sich dort im Hauptfach gut geschützt drei DSLRs mit Batteriegriff sowie jeweils angeflanschtem EF-S 10-22, EF 2.8 24-70L und EF 2.8 70-200 L unterbringen, ohne dass die Kameras direkten Kontakt miteinander haben. Zudem sind sie mit einem Griff herausgezogen und einsatzbereit.

Ein typischer Tagesablauf

… sah in etwa wie folgt aus:
Zwischen 8:30 Uhr und 9:00 Uhr begab ich mich an den Desktop, um in Adobe Bridge die Bilder vom Vortag zu sichten und zu bearbeiten. Dazu waren in der vergangenen Nacht die (idealerweise bereits verschlagworteten und grob gesichteten) RAWs von den Netbooks über das Netzwerk auf den Server kopiert worden. Sie lagen pro Gig in einem separaten Ordner auf dem Server vor. Da Bridge eine Weile brauchte, um die Bilder einzulesen, wurden in dieser Zeit noch fehlende Reviews geschrieben und ebenfalls auf dem Server abgelegt, sowie die dringendsten Arbeiten für unsere anderen Kunden erledigt.

Wenn Bridge endlich alle Bilder eingelesen hatte (mitunter, an „ergiebigen“ Abenden kamen da schon mehr als 1.000 RAWs zusammen), dann ging die „Feinsichtung“ los: Es hat auf rockpixx.com ja Tradition, dass pro Gig immer nur 10, in Ausnahmefällen auch einmal 20 Bilder gezeigt werden. Diese galt es nun, zu finden. Bei der Auswahl spielen immer verschiedene Kriterien eine Rolle – welche das jeweils waren, wurde von Fall zu Fall auf dem großen Schirm des Desktops entschieden. Diese Bilder wurden nun in CameraRaw entwickelt und durchliefen anschließend im PhotoShop eine selbstgeschriebene Aktion, welche die Bilder für’s Web herunterrechnete, nachschärfte und mit unserem Logo versah. Zudem wurde von jedem Bild noch ein Thumbnail erstellt und ein Teaserbild für diesen Gig erblickte auch noch das Licht der Welt. Sobald die Bilder eines Gigs fertig waren, lud unsere Fotografin von ihrem Notebook aus die Bilder per FTP auf den Webserver und fütterte die Datenbank von rockpixx.com mit den entsprechenden Bildnummern sowie dem dazugehörigen Text des Reviews. Dann galt es noch, den abgelichteten Musikern eine kurze Information via MySpace, Facebook, Gästebuch oder eMail zukommen zu lassen, dass die Bilder von Ihrem Auftritt online waren. Spätestens ab 10:00 Uhr eines jeden Tages konnten wir an den Zugriffszahlen auf rockpixx.com ablesen, dass die Leute auf die Bilder vom Vortag warteten…

Als letzte Aktion wurde auf der Startseite von rockpixx.com noch der Ticker mit den „Neuzugängen“ angepasst und ein kurzer Eintrag auf blog.rockpixx.com verfasst. Je nachdem, wie viele Acts in der vergangenen Nacht von uns abgelichtet worden waren, waren wir immer irgendwann zwischen 13:00 und 16:00 Uhr mit diesen Arbeiten fertig. Parallel dazu mussten wieder alle Akkus aufgeladen sowie die Speicherkarten formatiert werden.

Ebenfalls irgendwann im Laufe dieser Zeit nahmen wir uns auch unseren Plan mit den Acts vom kommenden Abend vor und klärten ab, wer von uns wann an welcher Bühne fotografieren würde. Dazu muss man wissen, dass die Bühnen über die gesamte Kieler Innenstadt verteilt sind, die interessanten Acts zeitweilig zur gleichen Zeit beginnen und auf den meisten Bühnen abends ein Programm in zwei Schichten gefahren wird. Das meint, dass beispielsweise Hauptact-1 auf Bühne 1 und Bühne 2 jeweils um 19:00 bzw. 19:30 beginnt und Hauptact-2 auf Bühne 1 dann schon um 21:00 Uhr, auf Bühne 2 aber erst ab 22:00 laufen wird. Die Bühnen 3 bis 5 haben aber auch noch interessante Acts, so beispielsweise um 18:00 Uhr, 20:30 Uhr und 21:30 Uhr. Um da unnötige Laufereien und Zeitverluste zu vermeiden, muss schon im Vorfeld der abendliche Zeitablauf optimal geplant sein. Zudem ist einzuplanen, dass bei Topacts wie Nena beispielsweise spätestens 90 Minuten vor dem Konzert vermutlich kein Durchkommen zum Graben mehr möglich sein wird, weil einfach schon zu viel Publikum anwesend ist. Gerade die „Unser Norden-Bühne“ an der Hörn hat einen nicht leicht erreichbaren Graben. Beim NDR am Ostseekai ist das besser gelöst: Selbst wenn der Platz proppevoll ist, kommt man (nach ein paar netten Worten mit den Ordnern) recht gut „auf Seitenwegen“ nach vorne. Lustig wird’s auch, wenn die Startzeiten nicht eingehalten werden, aber auf dem Zettel für später noch Acts an anderen Bühnen warten – da kann einem dann schon einmal etwas mulmig im Bauch werden. Ein guter Garant für diese Gefühle der anderen Art war übrigens stets das „Kieler Woche Musikzelt“: Die haben’s nie geschafft, pünktlich anzufangen…

Gegen 17:00 ging es dann wieder los Richtung Kiel. Kiel ist zur „Kieler Woche“ verkehrstechnisch eine mittlere Katastrophe: Hunderttausende von „Sehleuten“ – oft mehr oder weniger stark alkoholisiert und/oder im Fußball WM-Fieber versuchen, den Massen von Autos, Bussen und Taxen die wenigen nicht von einer Vollsperrung betroffenen Straßen in der Innenstadt streitig zu machen. Ampeln sind hübsche bunte Lichtzeichengeber, die ansonsten aber keinerlei Sinn zu haben scheinen. Parkplätze in der Innenstadt gibt’s – wenn überhaupt – nur in einigen wenigen Parkhäusern. Meistens hatten wir allerdings Glück und konnten in unmittelbarer Nähe unseres „Wohnzimmers“ (aka „MAXBühne“) einen Platz für unseren Wagen finden.

Und dann begann die Lauferei zur Bühne, Warterei vor der Bühne, Fotografiererei im Graben für einen bis drei Songs und das sich daran anschließende Kopieren der Speicherkarten auf das Netbook – falls dafür Zeit vorhanden war. Zum Glück sind unsere Speicherkarten mit einer Kapazität von 8 GB bzw. 16 GB groß genug dimensioniert, um auch von mehreren Gigs die Bilder aufnehmen zu können. Das erschwert natürlich später beim Kopieren das „Auseinanderfieseln“ und Zuordnen der Dateien zu einem Gig, lässt sich bei Zeitproblemen aber nicht immer vermeiden. Spätestens am Ende eines jeden Abends fanden wir uns dann wieder backstage an der „MAXBühne“ zusammen und hier werden dann die letzten Kopiervorgänge und Verschlagwortungen vorgenommen. Unsere Fotografin schaffte es oft sogar noch, schon die ersten Grobsichtungen ihres Bildmaterials vorzunehmen und einige Reviews zu schreiben – ich dagegen nie.

Meistens sind wir dann irgendwann zwischen 0:30 bis 2:30 Uhr wieder im Ferienhaus gewesen und hängten dann die Netbooks an den Server und ließen diese kopieren. Schnell wurde noch der Ticker auf der Startseite von rockpixx.com mit den für den nächsten Tag zu erwartenden Bildern angepasst und dann und fielen Fotografin und Fotograf reichlich müde ins Bett.

Nachbetrachtung

Nun ist die „Kieler Woche“ 2010 also seit knapp zwei Wochen beendet und so langsam sind unsere letzten Nachbereitungen auch durch – das übliche Tagesgeschäft hat uns wieder. Aber: Eigentlich ist nach der „Kieler Woche“ immer auch schon wieder vor der „Kieler Woche“. Insofern laufen bei uns im Hintergrund schon wieder die ersten Überlegungen und Vorplanungen für die „Kieler Woche“ 2011 an…

Fazit

1. Es hat Spaß gemacht.

2. Es war anstrengend.

3. Ich werde langsam zu alt für diesen Scheiß.

4. Ich freue mich schon auf die „Kieler Woche“ 2011.

 

Canon regelt CPS neu

Moin,

so, nun ist’s amtlich! Heute lag in der (Brief-) Post ein Schreiben von Canon, in dem die Neustrukturierung des CPS erklärt wurde. Dort konnte ich jetzt nachlesen, dass es zukünftig die Stufen „Platin“, „Gold“ und „Silber“ (plus einer „Videostufe“) geben wird. Die Einteilung in diese Stufen regelt das vorhandene Equipment. Nicht, dass ich so eine Einteilung nun als völlig daneben empfinden würde, aber einiges lässt mich dann doch den Kopf schütteln: Eine EOS 40D reicht für „Silber“, eine 1D II fliegt aus der Liste raus – ebenso das 85/1.2 I und das 50/1.4. Egal, ich bin – laut meinem Equipment – dann auch nicht mehr dabei.

Momentan schwanke ich also zwischen zwei Gemütszuständen:

1. „Juchu! Endlich eine Plastikarte weniger im Geldbeutel!“

Nachdem mittlerweile unter anderem auch schon mein bevorzugter Wochenmarkthändler für fangfrische skandinavische Kokosnüsse mir seine Platin-Kundenkarte verehrt hat, wurde es langsam eng im Geldbeutel. Insofern bin ich natürlich dankbar, wenn ich die CPS-Karte von Canon nicht mehr mit mir herumtragen muss.
Zudem muss ich gestehen, dass ich bislang weder Canon’s „Check & Clean“ noch sonstige Dienstleistungen in Anspruch genommen habe. Selbst die unter Fotoforen-Mitgliedern unbedingte Pflicht des Inanspruchnehmens von Justage-Arbeiten habe ich bislang verweigert. Und… sollte Equipment ausfallen, so fliegt hier genügend Ersatz herum, um für die Dauer der Reparatur dennoch nicht auf die Möglichkeit verzichten zu müssen, brauchbare Bilder machen zu können. Und das periodisch für die Mitglieder von CPS erscheinende „CPS Journal“ bietet hübsche Bilder und interessante Werbetexte, ist ansonsten aber entbehrlich.

Der zweite Gemütszustand ist natürlich erheblich kritischer für mein Seelenbefinden:

2. „Mist! Wie kann ich zukünftig noch andere Fotoforen-Fotografen beeindrucken, wenn ich nicht ‘mal mehr eine CPS-Karte habe?“

Wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich gestehen, dass ich daran im Moment doch erheblich zu knabbern habe…

 

Canon EOS 7D auf Konzerten

Moin,

Einleitung

Viel habe ich bereits über die neue 7D von Canon gelesen – wenig allerdings an Erfahrungsberichten aus der Konzertfotoszene. Und so bin ich eine ganze Weile um sie herumgeschlichen, bis ich mich entschlossen hatte, eine zu erwerben. Bislang hatte ich ja alle meine Gigs mit drei 20D fotografiert, in Ausnahmefällen kam sogar noch die alte 300D zum Einsatz. Und eigentlich reichten die Resultate aus, allerdings: Ein moderneres Werkzeug kann auch nicht schaden…

Erste Erfahrungen

Nun kam also die 7D zum ersten Mal zum Einsatz – und das gleich bei dem ersten Metal-Konzert, welches ich fotografiert habe. Licht war wenig bis kaum vorhanden und so konnte ich gleich den Härtetest mit hohen ISO-Einstellungen machen – doch der Reihe nach…

Handling:

Die 7D fühlt sich am Griff ein wenig kantiger an, als die 20D. Dadurch, dass das Daumenrad ein wenig kleiner zu sein scheint (ich habe das jetzt nicht nachgemessen) und auch ein wenig schwergängiger ist (vielleicht sind die an meinen 20D auch mittlerweile nur ausgeleiert), muss ich mich erst einmal bei der Bedienung ein wenig an das andere „Anfassgefühl“ gewöhnen. Insbesondere bei Hochformataufnahmen mit angeflanschtem Batteriegriff fällt das stärker auf. Der Rest ist halt canon-typisch, die vielen zusätzlichen Knöpfe stören mich nicht weiter und fügen sich logisch in das vertraute Bedienkonzept ein. Beeindruckend ist das große Display, hier ist der Unterschied zur 20D dramatisch.

Der Sucher hat zwar 100%-Abdeckung, das fällt aber eigentlich kaum ins Gewicht. Was allerdings sehr stark auffällt, das ist eine gesteigerte Brillianz, Helligkeit und Klarheit im Vergleich zur 20D.

Weiterhin fällt auf, dass die 7D leiser als die 20D ist und der Spiegelschlag auch nicht so sehr „rumpelt“ bzw. die Kamera erbeben lässt.

Geschwindigkeit:

Der AF ist phänomenal schnell. Gerade in sehr dunklen Lichtsituationen ist er sehr „bissig“ und greift schnell zu. Hier ist ein deutlicher Vorsprung gegenüber der 20D auszumachen. Bei gleichen Objektiven (10-22 EF-S, 24-70 2.8 L, 70-200 2.8 L) braucht die 20D wesentlich länger, um ein Ziel auszumachen – trotz Beschränkung auf das mittlere AF-Feld. An der 7D hatte ich den Zonen-AF gewählt und egal, wohin ich fokussierte, er traf fast immer und das sofort und ohne Verzögerung. Das war etwas, was ich bei den ersten Testschüssen (Landschaft vom Balkon, Katze im Dämmerlicht, etc.) nicht so deutlich bemerkt hatte. Im Konzert mit den schnellen Bewegungen der Musiker und den schlechten aber dennoch wechselnden Lichtverhältnissen spielte die 7D gegenüber der 20D allerdings ihren Entwicklungsvorsprung deutlich aus.

Sehr bemerkenswert auch der große Puffer der Kamera. Konzerte fotografiere ich standardmäßig in RAW. Ein RAW der 20D bringt etwa 7 – 9 MB auf die Waage, eines der 7D zwischen 28 – 32 MB. Ist bei der 20D bei Reihenaufnahmen meistens nach dem dritten oder vierten Bild erst einmal Warten angesagt (ich hasse die Anzeige „busy“ im Sucher), so wird die 7D zwar nach dem vierten oder fünften Bild etwas langsamer, auslösen kann ich aber dennoch immer noch. Ich hatte sicherheitshalber eine SanDisk Extreme mit 60 MB/s (UDMA) in der 7D, weil ich gelesen hatte, nur mit dieser Karte könne die Geschwindigkeit der Kamera so richtig ausgereizt werden. Gegen Ende des Konzertes packte ich dann eine alte 120x Karte in die Kamera und die funktionierte auch ohne große Geschwindigkeitseinbußen – allerdings gehöre ich auch nicht zu den Fotografen, die mit „schwerem Zeigefinger“ den Auslöser permanent bei höchster Bildfolge durchgedrückt halten.

Bildqualität:

Die erste ISO-Einstellung war 4.000. Hatte ich bei der 20D bislang maximal 1.600 genutzt, so wollte ich hier mit der 7D gleich „in die Vollen“ gehen und sehen, wie sie sich bei dieser Empfindlichkeit schlägt. Schon nach kurzer Zeit war allerdings klar: Es ist zu dunkel bei den Metallern! Also die Kamera auf 6.400 gedreht und auf die Überraschung zu Hause am Rechner warten… Die Überraschung kam und sie war nicht negativ. Natürlich rauschen Bilder, die unter schlechtem Licht mit ISO 6.400 gemacht werden – gar keine Frage. Sie rauschen aber nicht stärker, als diejenigen, welche mit der 20D unter denselben Bedingungen mit ISO 1.600 gemacht werden. (Die Rauschunterdrückung in der 7D stand übrigens auf „standard“.) Das RAW in ACR entwickelt, das Bild verkleinert und nachgeschärft und es ist beim JPEG kein Unterschied zwischen der 7D und der 20D zu entdecken. Mithin habe ich also einen Vorteil von zwei Blendenstufen bei qualitativ gleichem Output zu verzeichnen. Ich bin allerdings auch kein „Pixelpeeper“, der bei einer 400%-Ansicht auf dem Monitor in ISO 100-Bildern ein leichtes Rauschen ausmachen will. Mir reicht es völlig, wenn das fertige Bild auf dem Bildschirm oder im Print bei angemessenem Betrachtungsabstand brauchbar aussieht – den Käufern meiner Bilder geht es im Übrigen ebenso.

Vorläufiges Fazit

Die Anschaffung der 7D war eine gute Entscheidung. Ich habe nun ein Werkzeug, welches unter schlechten Lichtverhältnissen besser fokussiert, schnellere Bildfolgen ermöglicht, bzw. nach ein paar gemachten Reihenaufnahmen schneller wieder einsatzbereit ist und bei schlechten Lichtverhältnissen eine deutlich bessere Performance bezüglich ISO-Empfindlichkeit liefert.

Natürlich ist es ein wenig unfair die betagte 20D als Vergleich heranzuziehen, aber ich kann ja nur über die Kameras schreiben, die mir zur Verfügung stehen. Einen vergleichbaren Effekt hinsichtlich der Verbesserung meines Arbeitswerkzeuges hatte ich vor vielen Jahren, als ich erstmals die 20D im Vergleich zur 300D in den Händen hatte.

Bilder (nein, keine RAWs und erst Recht keine 100%-Crops) sind auf der Gigs-Seite von http://rockpixx.com zu sehen – dort einfach einmal nach Memmingen, 13.03.2010 bzw. „Secret Sphere“, „Freedom Call“ oder „GammaRay“ Ausschau halten. Wer dort die Bilder aus der 7D von denen unterscheiden kann, die mit den beiden 20D gemacht worden sind, der sieht mehr als ich…

Schlußendlich

… steht für mich fest, dass die beiden verbliebenen 20D damit rechnen müssen, sehr bald ebenfalls durch eine weitere 7D ersetzt zu werden.

 

Ein ungeplanter Gig und unsere Kompaktkamera

Moin,

eigentlich sollte der letzte Tag der diesjährigen „Kieler Woche“ für uns ja ein „Urlaubstag“ werden – keine Gigs fotografieren, kein Equipment kiloweise durch die Innenstadt schleppen und kein Gehetze von Bühne zu Bühne.

Also Zivilkleidung angezogen und nur für ein paar möglicherweise zu tätigende Schnappschüsse die Kompakte am Gürtel in ihrer Tasche befestigt. Wie gut, dass sie dabei war! Wie unter [ → „Pop Shop Boys“ ] zu sehen, hat mir die PowerShot dann dank RAW doch noch die Möglichkeit verschafft, ein paar Bilder von der Bühne und den Musikern zu schießen. Bei den Motiven konnte ich einfach nicht widerstehen!

Zugegeben, die Bilder erfüllen keine hochwertigen Kriterien und es ist auch nicht wirklich eine Freude, mit einer Kompakten und ihrer – im Vergleich zur DSLR doch erheblichen – Auslöseverzögerung Konzertbilder zu schießen. Über das (zwar große und gute) Display zu fotografieren ist für mich reichlich ungewohnt und mit dem Zeigefinger via Hebelchen zoomen zu müssen, das hat auch etwas Ungewohntes. Normalerweise liegt der Daumen bei mir auf der Belichtungskorrektur – das musste jetzt die linke Hand am Drehrad erledigen.

Fazit: Konzerte gehen im Notfall mit unserer G10, wenn das Licht ausreicht und man gewaltige Einschränkungen hinsichtlich Brennweite, Lichtstärke, Handling und Geschwindigkeit hinnehmen will. Einziger Vorteil: Ich hatte nicht so viel zu schleppen wie sonst.